Fabian Schaub

Blog · Körper und Gefühl · 3 Min. Lesezeit

Ausdrucksarbeit: Warum Reden allein oft nichts ändert

Du hast alles verstanden und es ändert sich nichts. Warum Einsicht allein selten reicht und was Ausdrucksarbeit anders macht.

Von Fabian Schaub · 4. August 2026

Du kennst dein Thema. Du kannst es erklären, mit Vorgeschichte und Zusammenhang. Vielleicht hast du sogar den Fachbegriff dafür gelernt.

Und es ändert sich nichts.

Das ist kein Zeichen dafür, dass du zu wenig verstanden hast. Es ist ein Zeichen dafür, dass Verstehen an dieser Stelle nicht die Währung ist.

Warum Einsicht oft nicht reicht

Alte Erfahrungen liegen nicht als Text in dir. Sie liegen als Reaktion vor.

Ein Beispiel: Du weißt genau, warum du in Konflikten dichtmachst. Du kannst es sauber herleiten. Und im nächsten Streit machst du dicht, bevor der erste Gedanke fertig ist.

Das liegt daran, dass diese Reaktionen entstanden sind, bevor du sprechen konntest. Sie laufen in einem Teil des Systems, den du mit Worten nicht direkt erreichst.

Deshalb kannst du ein Thema jahrelang besprechen und trotzdem jedes Mal gleich reagieren.

Was zurückgehalten wird

Zwischen Psyche und Körper stehen Spannungen. Das sind Impulse, die du nicht rauslässt.

Vier kommen immer wieder vor: Wut, Trauer, Aggression und Sexualität.

Festgehalten werden sie von zwei Gefühlen, die jeder kennt: Schuld und Scham.

Ein Kind, das gelernt hat, dass Wut gefährlich ist, hält Wut zurück. Nicht einmal, sondern dauerhaft. Und Zurückhalten ist eine körperliche Leistung. Sie kostet Kraft, jeden Tag, jahrzehntelang.

Das ist auch der Grund, warum viele Menschen dauerhaft angespannt sind, ohne einen Anlass zu haben. Mehr dazu steht in diesem Beitrag.

Was Ausdrucksarbeit macht

Sie holt den Impuls nach außen, statt über ihn zu sprechen.

Das kann laut sein. Manche schreien zum ersten Mal seit dreißig Jahren. Manche weinen an einer Stelle, an der sie es damals nicht durften. Manche schlagen auf ein Kissen ein und merken erst dabei, wie viel da ist.

Das klingt nach wenig Feinsinn. Es ist aber der Punkt, an dem sich etwas bewegt, das durch Gespräche nicht zu bewegen war.

Wichtig dabei: Es geht nicht darum, sich abzureagieren. Es geht darum, dass ein Impuls, der jahrelang festgehalten wurde, einmal seinen Weg zu Ende gehen darf. Danach muss er nicht mehr gehalten werden.

Woran du merkst, dass du das noch nicht hattest

Zwei Fragen.

Hast du in einem Coaching schon einmal geschrien?

Hast du schon einmal gestalttherapeutisch mit Ausdruck gearbeitet?

Wenn zweimal nein, dann warst du bisher an der Oberfläche.

Das ist kein Vorwurf. Bindungstypen lesen, Trigger benennen, Bedürfnisse kommunizieren, das ist alles richtig. Ich hatte das auch. Es hat bei mir nichts verändert, weil ich damit über mein Thema geredet habe, statt hineinzugehen.

Was das nicht ist

Es ist kein Wutseminar und kein Katharsis-Versprechen. Sich einmal auszutoben verändert nichts, wenn danach nichts eingeordnet wird.

Der Ausdruck ist der eine Teil. Der andere ist, dass jemand daneben steht, der weiß, was da hochkommt, und der mit dir zusammen einordnet, wohin es gehört.

Ohne diesen zweiten Teil ist es nur laut.

Es ist außerdem keine Therapie. Wer eine Traumafolgestörung hat, gehört in therapeutische Hände. Der Unterschied zwischen beidem steht in diesem Beitrag.

Für Coaches

Wenn du selbst mit Menschen arbeitest: Die Frage ist nicht, ob du die Methode kennst. Die Frage ist, wie tief du selbst schon gegangen bist.

Du kannst niemanden an einen Ort führen, an dem du nie warst. Das merkt der Klient sofort, und dann geht er nicht mit.

Deshalb steht in unserer Ausbildung das eigene Erleben vor der Technik. Erst erleben, dann das Modell verstehen, dann die Technik, dann die eigene Praxis.

Coaching ist keine Therapie und kein Ersatz für ärztliche Behandlung. Was ich hier beschreibe, sind Muster, wie ich sie in der Arbeit mit Menschen und an mir selbst sehe. Ich kann dir keine Heilung versprechen. Und keine Beziehung.

Fabian Schaub

Der Autor

Fabian Schaub

Coach für kindheitliche Prägungsmuster und Gestaltcoach, Nürnberg. Über 500 bezahlte Einzelsitzungen in 18 Monaten, über 2.500 Stunden eigene Ausbildung, Ausbilder gemeinsam mit Daniel Doray. Länger Single als in Beziehung, heute verlobt. Die ganze Geschichte

Wenn du das Muster bei dir sehen willst.

Daniel und ich bauen gerade die Community Beziehungsdynamiken. Start ist im Oktober 2026, die Warteliste ist offen.

Die Community Beziehungsdynamiken startet im Oktober 2026, 149 Euro im Monat, monatlich kündbar. Wer auf der Warteliste steht, erfährt es als Erste oder Erster.

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