Fabian Schaub

Blog · Körper und Gefühl · 3 Min. Lesezeit

Keine Lust mehr auf Sex: Woher das kommt

Die Lust ist weg und du weißt nicht warum. Warum Lust selten das eigentliche Thema ist und welche Fragen weiterführen als jeder Ratschlag.

Von Fabian Schaub · 19. Juni 2026

Es ist nicht so, dass du deinen Partner nicht mehr magst. Ihr versteht euch gut.

Es ist nur einfach nicht da. Und je länger es nicht da ist, desto größer wird das Thema, obwohl niemand darüber spricht.

Vielleicht hast du dir schon vorgenommen, dich mehr anzustrengen. Vielleicht habt ihr sogar einen Abend dafür eingeplant. Und dann ist es noch schwieriger geworden.

Zuerst das Körperliche

Es gibt körperliche Gründe, und die gehören abgeklärt, bevor man weiterdenkt.

Schilddrüse, Hormone, Medikamente, besonders Antidepressiva und die Pille. Erschöpfung. Schlafmangel. Schmerzen beim Sex.

Wenn das nicht geprüft ist, prüf es. Es wäre unnötig, monatelang an der Psyche zu arbeiten, wenn ein Blutwert die Antwort hat.

Was hier steht, gilt für den Fall danach.

Warum Lust kein Ventil ist, das man aufdreht

Lust ist keine Entscheidung. Sie ist ein Zustand, und Zustände lassen sich nicht befehlen.

Deshalb funktioniert der übliche Ansatz nicht, sich mehr anzustrengen. Er erzeugt Druck, und Druck ist das Gegenteil von dem, was Lust braucht.

Sexualität gehört zu den Impulsen, die ein Mensch zurückhalten kann. Zusammen mit Wut, Trauer und Aggression. Und festgehalten werden diese Impulse von zwei Gefühlen: Schuld und Scham.

Das ist ein wichtiger Punkt. Denn wenn Lust nicht da ist, wird sie meistens nicht gerade produziert und dann blockiert. Sie wird oft gar nicht erst zugelassen.

Die Fragen, die weiterführen

Ist es überall weg oder nur in der Beziehung?

Das ist die wichtigste Unterscheidung. Wenn allein oder in Gedanken alles funktioniert und nur mit deinem Partner nichts geht, dann ist es kein Lustthema. Dann ist es ein Beziehungsthema.

Was ist zwischen euch nicht ausgesprochen?

Sehr oft steht ungesagter Ärger im Weg. Man kann sich nicht öffnen und gleichzeitig etwas zurückhalten. Der Körper macht diesen Widerspruch nicht mit. Warum sich Ärger dabei nie am aktuellen Thema entzündet, steht in diesem Beitrag.

Seit wann genau?

Wenn du einen Zeitpunkt findest, hast du meistens auch das Ereignis. Nach der Geburt eines Kindes. Nach einem Vertrauensbruch. Nach einer Phase, in der einer von euch sehr viel gearbeitet hat.

Was hast du über Sexualität gelernt?

Diese Frage überspringen die meisten. Sie ist aber die tiefste.

Wie wurde in deiner Familie darüber gesprochen? Gar nicht? Abwertend? Wurde Körperlichkeit gezeigt oder war sie unsichtbar?

Wer früh gelernt hat, dass Sexualität etwas Peinliches ist, hat als Erwachsener einen inneren Deckel, den keine Technik hebt.

Der häufigste Fall bei Paaren mit Kindern

Es gibt eine Konstellation, die besonders oft vorkommt.

Nach der Geburt verschiebt sich alles. Der Körper einer Frau war monatelang für jemand anderen da. Der Alltag ist enger getaktet. Und dann wird aus zwei Liebenden ein gut funktionierendes Team.

Ein Team hat aber keinen Sex. Ein Team koordiniert.

Wenn ihr euch das gegenseitig einmal sagen könnt, ohne dass es zum Vorwurf wird, ist das oft schon der halbe Weg.

Was ich dir nicht rate

Ich rate nicht zu Techniken, festen Terminen oder Tipps aus Zeitschriften.

Nicht weil das alles Unsinn wäre, sondern weil es an der Oberfläche arbeitet, während der Grund darunter liegt. Und weil es Druck erzeugt, wo Druck nichts hilft.

Was tatsächlich etwas verändert, ist die Frage, was gerade nicht gefühlt werden darf. Bei den meisten ist die Antwort nicht Lust, sondern etwas anderes: Ärger, Trauer, Erschöpfung, Scham.

Wenn das einen Ort bekommt, kommt Lust oft von selbst zurück. Nicht immer. Aber häufiger, als jede Technik es schafft.

Was mit zurückgehaltenen Gefühlen im Körper passiert, steht in diesem Beitrag.

Coaching ist keine Therapie und kein Ersatz für ärztliche Behandlung. Was ich hier beschreibe, sind Muster, wie ich sie in der Arbeit mit Menschen und an mir selbst sehe. Ich kann dir keine Heilung versprechen. Und keine Beziehung.

Fabian Schaub

Der Autor

Fabian Schaub

Coach für kindheitliche Prägungsmuster und Gestaltcoach, Nürnberg. Über 500 bezahlte Einzelsitzungen in 18 Monaten, über 2.500 Stunden eigene Ausbildung, Ausbilder gemeinsam mit Daniel Doray. Länger Single als in Beziehung, heute verlobt. Die ganze Geschichte

Wenn du das Muster bei dir sehen willst.

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