Fabian Schaub

Blog · Prägung · 6 Min. Lesezeit

Kindliche Prägung: Was in den ersten sieben Lebensjahren entschieden wird

Kindliche Prägung läuft in vier Phasen bis zum siebten Jahr ab. Was dort passiert, bleibt, dein Umgang damit ist wählbar. So findest du deine Phase.

Von Fabian Schaub · 3. September 2026

Sonntag, 16 Uhr. Du sitzt allein in der Wohnung und fragst dich, warum du das schon wieder erlebst. Dritte Beziehung, die nach knapp einem Jahr auseinandergeht. Oder die dritte Absage in Folge, obwohl du an dir gearbeitet hast.

Die Antwort liegt nicht in deiner letzten Beziehung und nicht in deinem Kalender.

Kindliche Prägung entscheidet in den ersten sieben Lebensjahren, wie du Nähe, Sicherheit, Macht und Leistung erlebst. Dieses Muster läuft bis heute mit. Dieser Beitrag zeigt dir die vier Phasen, in denen das passiert, und was du mit dem Wissen anfangen kannst.

Kindliche Prägung in vier Phasen: die Antwort zuerst

In den ersten sieben Lebensjahren durchläufst du, so lehre ich es in der Ausbildung, vier Phasen. Vertrauen bis etwa acht Monate, die Frage, ob die Welt sicher ist. Versorgung bis etwa zweieinhalb Jahre, die Frage, ob genug da ist und ob es bleibt. Macht und Autonomie bis etwa vier Jahre, die Frage, wer bestimmen darf. Leistung bis sieben Jahre, die Frage, was du selbst erzeugen kannst.

Daniel sagt dazu in der Ausbildung sinngemäß: Die großen humanistischen Richtungen der Psychologie sind sich einig, dass wir sozusagen in den ersten sieben Lebensjahren komplett geprägt werden.

Was in diesen vier Fenstern passiert, bleibt als Prägung erhalten und wirkt in Beziehung, Geld und Körper weiter. Wichtig dabei: Ein wiederkehrendes Muster lässt sich in dieser Zeit verorten, aber nicht andersherum vom einzelnen Gefühl sicher auf die genaue Phase zurückrechnen. Ein Mangel an Vertrauen kann laut Daniel in jeder der vier Phasen entstehen. Das Modell ist eine Suchrichtung, keine Schablone.

Jonas: erst das Beispiel, dann das Prinzip

Jonas ist 31, hat eine Firma, die läuft, und ist vor vier Monaten zum dritten Mal nach knapp einem Jahr getrennt worden. Seine Freunde nennen ihn einen Gewinnertyp. Sonntagnachmittag ist er allein, und es wird still. Er sagt sich: Ich krieg alles hin, warum bleibt keine?

Das Prinzip dahinter: Jonas wiederholt ein Muster aus seiner Prägung, nicht weil er es will, sondern weil er es als Kind gelernt und seitdem nicht integriert hat. Was du in dir nicht integriert hast, erlebst du immer und immer wieder. Genau das nennt das Modell Reinszenierung, du stellst als Erwachsener die Lage wieder her, die du als Kind kanntest, mit einem neuen Gesicht und einem neuen Namen.

Der Fachbegriff dafür, den du in diesem Beitrag öfter liest: Prägung. Das, was du in den ersten Jahren gelernt hast, ohne es zu wissen.

Vertrauen und Versorgung: die ersten zweieinhalb Jahre

Die erste Phase reicht von der Zeugung bis etwa zum achten Monat. Es geht um eine einzige Frage: Ist die Welt sicher, ist Kontakt sicher? In dieser Zeit hat ein Kind noch kein Ich im Sinn einer eigenen Perspektive, es nimmt ungefiltert auf, was um es herum passiert. Danach beginnt die Versorgungsphase, bis etwa zweieinhalb Jahre. Jetzt zählt, ob genug da ist und ob es bleibt, bei Nähe genauso wie bei Aufmerksamkeit und später bei Geld.

Meine eigene These, als Hypothese und nicht als Regel für deinen konkreten Fall: Wie du Beziehung lebst, hast du bei deiner Mutter gelernt. Wie du leistest, bei deinem Vater. Beides passiert in den ersten sieben Lebensjahren, beides läuft heute noch, beides lässt sich sehen. Das heißt nicht, dass sich ein bestimmter Streit sauber einem Elternteil zuordnen lässt. Es heißt, dass beide Prägungen in dir mitschwingen, egal worüber du gerade streitest.

Mehr zum Zusammenhang zwischen deiner Kindheit und deinen Beziehungsmustern liest du in Beziehungsmuster und Kindheit.

Macht und Leistung: von zweieinhalb bis sieben Jahren

Nach der Versorgungsphase kommt die Phase von Macht und Autonomie, bis etwa vier Jahre. Hier lernst du, ob du bestimmen darfst oder ob über dich bestimmt wird. Die letzte Phase bis etwa sieben Jahre dreht sich um Leistung, was du selbst erzeugen kannst und ob das gesehen wird.

Wichtig, weil hier oft ein falscher Schluss gezogen wird: Du kannst nicht vom Thema, das dich gerade beschäftigt, sicher auf die Phase zurückrechnen. Lautstärke bedeutet zum Beispiel nicht automatisch Machtlosigkeit. Die einzige Ausnahme sind ganz enge, wörtliche Themen wie das Gefühl, nie genug zu bekommen, das eher in die Versorgungsphase gehört. Alles andere bleibt eine Suchrichtung, kein Beweis. Fehlt dir schon das Vertrauen aus der ersten Phase, zeigt sich das oft zuerst im Dating, dazu mehr in Wenn Urvertrauen fehlt.

Was dein Körper dir zeigt

Prägung ist nicht nur ein Gedanke, sie sitzt im Körper. Als Kind hast du gelernt, welche Impulse gehen und welche nicht, Wut, Trauer, manchmal auch Nähe selbst. Was nicht gehen durfte, hast du zurückgehalten, und die Spannung, die dabei entsteht, sucht sich einen Ort. Meine eigene Frage in jedem Coaching lautet: Was hältst du gerade zurück? Was sprichst du nicht aus?

Ich sage in der Ausbildung: „Hör nicht auf die Worte, hör auf die Spannung." Nicht was jemand sagt, verrät die alte Prägung, sondern wie viel Spannung dahinter steht. Die neuseeländische Dunedin Studie hat gezeigt, dass sich mit drei Jahren beobachtete Verhaltenstypen bis ins Erwachsenenalter mit 26 Jahren wiederfinden, ein Beleg dafür, wie früh und wie lange Prägung wirkt.

Geld hat dieselbe Wurzel

Geld und Beziehung landen im selben Modell, weil beide auf Versorgung und Leistung zurückgehen. Die Frage, die ich in jedem Coaching stelle: Kommt das Geld nicht zu dir, oder bleibt es nicht bei dir? Die erste Frage ist meist ein Leistungsthema, die zweite meist ein Versorgungsthema, wobei sich beide im wirklichen Leben selten sauber trennen lassen.

Ich sage in der Ausbildung: „Bei der Mutter lernst du Beziehung und Geld halten. Beim Vater lernst du Leistung und Geld generieren." Das ist eine Landkarte, mit der du suchen kannst, keine Sortierregel für deinen letzten Streit ums Geld. Mehr zu diesem Zusammenhang findest du auf der Seite Business.

Was du jetzt tun kannst

Du wirst deine kindliche Prägung nicht löschen, und das ist auch nicht das Ziel. Deine Charakterstruktur bleibt, wie sie ist. Was sich ändert, ist dein Erleben und deine Handlungsoptionen. Drei Fragen, mit denen du anfangen kannst:

  1. 1Welches Thema taucht in deinem Leben immer wieder auf, egal mit wem oder in welchem Job?
  2. 2In welcher der vier Phasen, Vertrauen, Versorgung, Macht oder Leistung, könnte die Wurzel liegen, ohne dass du dich darauf festlegst?
  3. 3Was würdest du heute anders machen, wenn du wüsstest, dass das Muster wählbar ist?

Den kompletten Überblick über alle vier Phasen und die passenden Beiträge findest du im Überblick: Die ersten sieben Lebensjahre.

Häufige Fragen

Kann ich meine kindliche Prägung überwinden?

Nein, nicht im Sinn von löschen. Deine Prägung bleibt Teil von dir, dein Erleben und deine Handlungsoptionen ändern sich, wenn du sie siehst. Arbeit an deiner Prägung ist deshalb eher ein laufender Prozess als ein einmaliger Schritt.

Woher weiß ich, in welcher Phase mein Thema entstanden ist?

Sicher weißt du das selten. Ein Mangel an Vertrauen kann laut Daniel in jeder der vier Phasen entstehen. Die vier Phasen sind eine Suchrichtung, mit der du dein Muster einordnen kannst, kein Test, der dir eine fertige Antwort ausspuckt.

Ist das dasselbe wie Therapie?

Nein. Ich bin Coach für kindheitliche Prägungsmuster, kein Therapeut. Für Paartherapie im engeren Sinn arbeite ich mit Daniel Doray zusammen, der Paar und Familientherapeut ist, mit dem ich die Ausbildung mache. Coaching ist keine Therapie und kein Ersatz für ärztliche Behandlung.

Coaching ist keine Therapie und kein Ersatz für ärztliche Behandlung. Was ich hier beschreibe, sind Muster, wie ich sie in der Arbeit mit Menschen und an mir selbst sehe. Ich kann dir keine Heilung versprechen. Und keine Beziehung.

Fabian Schaub

Der Autor

Fabian Schaub

Coach für kindheitliche Prägungsmuster und Gestaltcoach, Nürnberg. Über 500 bezahlte Einzelsitzungen in 18 Monaten, über 2.500 Stunden eigene Ausbildung, Ausbilder gemeinsam mit Daniel Doray. Länger Single als in Beziehung, heute verlobt. Die ganze Geschichte

Wenn du das Muster bei dir sehen willst.

Daniel und ich bauen gerade die Community Beziehungsdynamiken. Start ist im Oktober 2026, die Warteliste ist offen.

Die Community Beziehungsdynamiken startet im Oktober 2026, 149 Euro im Monat, monatlich kündbar. Wer auf der Warteliste steht, erfährt es als Erste oder Erster.

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