Blog · Prägung · 3 Min. Lesezeit
Du streitest darüber, wer bestimmt: Woher das kommt
Bei euch geht es ständig darum, wer sich durchsetzt. Warum Machtkämpfe in Beziehungen selten mit dem Thema zu tun haben, über das gestritten wird.
Von Fabian Schaub · 5. Juli 2026
Es geht um den Urlaub. Oder darum, wer entscheidet, wann ihr Freunde trefft. Oder um eine Kleinigkeit, bei der plötzlich beide nicht nachgeben können.
Und du merkst mitten im Streit: Es geht gar nicht mehr um die Sache. Es geht darum, wer sich durchsetzt.
Danach fühlst du dich entweder überfahren oder wie jemand, der zu hart war. Beides ist unangenehm, und beides passiert immer wieder.
Die dritte Frage
In den ersten sieben Lebensjahren beantworten sich vier Fragen nacheinander. Erst, ob du dich fallen lassen kannst. Dann, ob genug für dich da ist. Und dann, ungefähr zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr, diese:
Darf ich ich sein?
Das ist die Zeit, die man landläufig Trotzphase nennt. Das Kind entdeckt, dass es einen eigenen Willen hat. Es sagt Nein. Es will selbst. Es probiert aus, wie weit es gehen kann.
Und es macht dabei eine Erfahrung, die bleibt: Was passiert, wenn ich anderer Meinung bin als jemand, den ich liebe?
Die zwei Antworten, die daraus werden
Wenn ein Kind Nein sagen darf, ohne die Beziehung zu verlieren, lernt es etwas sehr Praktisches: Ich kann eigenständig sein und trotzdem dazugehören. Widerspruch ist nicht gefährlich.
Wenn das nicht ging, entstehen zwei Wege.
Der eine ist Anpassung. Du hast gelernt, dass es teuer wird, einen eigenen Willen zu haben. Also hast du ihn weggelegt. Heute merkst du oft erst Wochen später, dass du etwas gar nicht wolltest. In Beziehungen bist du der, der nachgibt, und der irgendwann nicht mehr weiß, was er eigentlich will.
Der andere ist Trotz. Du hast gelernt, dass du dich behaupten musst, sonst wirst du überrollt. Heute geht es dir in Konflikten schnell ums Prinzip. Nachgeben fühlt sich nicht nach Kompromiss an, sondern nach Verlieren.
Wer als Kind nur zwischen Anpassen und Trotzen wählen durfte, kennt dazwischen nichts. Und genau dieses Dazwischen ist das, was eine Beziehung braucht.
Warum das bei euch so laut wird
Wie so oft finden sich die beiden Typen.
Wer angepasst ist, sucht sich jemanden, der die Richtung vorgibt. Wer sich behaupten muss, sucht sich jemanden, der nicht dagegenhält.
Am Anfang funktioniert das gut. Einer entscheidet, der andere ist einverstanden, es gibt kaum Streit.
Nach zwei, drei Jahren kippt es. Der Angepasste merkt, dass er sich verloren hat, und fängt an, sich zu wehren. Für den anderen kommt das aus dem Nichts, denn jahrelang war doch alles einvernehmlich.
Ab da geht es bei jedem Thema um dasselbe: wer bestimmt. Auch wenn es nach außen um den Urlaub geht.
Warum ihr nie über das streitet, worüber ihr zu streiten glaubt, steht in diesem Beitrag.
Woran du deine Seite erkennst
Ein paar Sätze, die dazugehören.
Wenn du zur Anpassung neigst: Mir ist das egal, entscheid du. Ich will keinen Streit. Und später, allein: Eigentlich wollte ich das gar nicht.
Wenn du zum Behaupten neigst: Es geht ums Prinzip. Ich lasse mir nicht vorschreiben, was ich tue. Und das Gefühl von Enge, sobald jemand etwas von dir erwartet.
Beides ist dieselbe alte Stelle. Nur die Notlösung war eine andere.
Was hilft
Nicht: besser streiten lernen. Techniken helfen an dieser Stelle wenig, weil in dem Moment, in dem es losgeht, ein Teil von dir drei Jahre alt ist.
Was hilft, ist die Frage nach dem Dazwischen.
Wenn du normalerweise nachgibst, üb den kleinsten möglichen Widerspruch. Nicht bei dem großen Thema, sondern beim Restaurant. Ein Satz: Ich möchte lieber woandershin. Und dann aushalten, was in dir passiert.
Wenn du normalerweise auf dem Prinzip beharrst, üb den kleinsten möglichen Rückzug. Einmal sagen: Okay, machen wir es so. Und aushalten, was in dir passiert.
In beiden Fällen kommt etwas hoch. Genau das ist die alte Stelle. Und nur dort ist etwas zu verändern.
Wie das mit deiner ersten Beziehung zusammenhängt, steht in diesem Beitrag.
Coaching ist keine Therapie und kein Ersatz für ärztliche Behandlung. Was ich hier beschreibe, sind Muster, wie ich sie in der Arbeit mit Menschen und an mir selbst sehe. Ich kann dir keine Heilung versprechen. Und keine Beziehung.

Der Autor
Fabian Schaub
Coach für kindheitliche Prägungsmuster und Gestaltcoach, Nürnberg. Über 500 bezahlte Einzelsitzungen in 18 Monaten, über 2.500 Stunden eigene Ausbildung, Ausbilder gemeinsam mit Daniel Doray. Länger Single als in Beziehung, heute verlobt. Die ganze Geschichte
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