Blog · Körper und Gefühl · 2 Min. Lesezeit
Dauerstress ohne Grund: Wenn nichts los ist und du trotzdem angespannt bist
Der Urlaub hat nichts gebracht, das Wochenende auch nicht. Warum Anspannung ohne aktuellen Anlass fast immer älter ist als deine Termine.
Von Fabian Schaub · 16. Juni 2026
Du hattest zwei Wochen Urlaub. Nach vier Tagen war es kurz besser. Am dritten Tag zu Hause war alles wieder da.
Das ist der Punkt, an dem viele merken: Es liegt nicht an der Arbeitsmenge.
Denn wenn Stress von der Belastung käme, müsste er weggehen, wenn die Belastung weg ist. Tut er aber nicht.
Der Unterschied zwischen Stress und Anspannung
Stress ist eine Reaktion auf etwas. Es passiert etwas, dein Körper stellt sich darauf ein, danach fährt er wieder runter.
Was du beschreibst, ist etwas anderes. Es ist ein Zustand.
Ein Grundpegel, der immer da ist und den du nur unterschiedlich stark bemerkst. Wenn viel los ist, fällt er nicht auf, weil er zur Situation passt. Wenn nichts los ist, wird er sichtbar, weil er dann keine Erklärung mehr hat.
Deshalb ist Ruhe für viele Menschen unangenehm. Nicht, weil sie Langeweile schlimm fänden, sondern weil in der Ruhe der Grundpegel sichtbar wird.
Woher der Pegel kommt
Wachsamkeit wird gelernt.
Ein Kind, in dessen Umfeld die Stimmung unberechenbar war, lernt, ständig zu scannen. Wie ist die Laune? Kommt gleich etwas? Muss ich mich vorbereiten?
Das ist eine sinnvolle Fähigkeit gewesen. Sie hat damals Schaden verhindert.
Nur wird sie nie abgestellt. Niemand teilt einem System mit, dass die Lage sich geändert hat. Es läuft weiter, dreißig Jahre lang, und ist längst nicht mehr an eine Situation gebunden.
Das ist der Grund, warum Urlaub nichts ändert. Du nimmst den Scanner mit.
Die zweite Quelle: das Halten
Es gibt noch etwas, das dauerhaft Kraft kostet.
Zwischen Psyche und Körper stehen Impulse, die zurückgehalten werden. Wut, Trauer, Aggression, Sexualität. Festgehalten von Schuld und Scham.
Etwas zurückzuhalten ist Arbeit. Muskulär und nervlich.
Wenn du seit Jahrzehnten Wut nicht zeigst, hältst du seit Jahrzehnten etwas. Dieses Halten fühlt sich nicht wie Wut an. Es fühlt sich wie Anspannung an, ohne Thema.
Deshalb beschreiben viele Menschen ihren Zustand als Stress, obwohl es eigentlich ein Deckel ist. Mehr dazu steht in diesem Beitrag.
Warum die üblichen Mittel nur begrenzt helfen
Sport hilft, das ist unbestritten. Er senkt den Pegel für ein paar Stunden.
Meditation hilft, mit einer Einschränkung: Wer sehr viel hält, dem kommt in der Stille genau das entgegen, was er hält. Für manche ist Meditation deshalb erst nach anderer Arbeit möglich.
Beides arbeitet am Pegel, nicht an der Quelle.
Was an die Quelle geht
Zwei Richtungen.
Der Scanner. Es hilft, ihn zu benennen, wenn er anspringt. Merken: Ich bin gerade wachsam, obwohl nichts ist. Das klingt banal, unterbricht aber die Automatik. Über Wochen verändert es tatsächlich etwas.
Das Gehaltene. Hier geht es nicht ums Entspannen, sondern ums Ausdrücken. Ein Impuls, der einmal seinen Weg zu Ende gehen darf, muss danach nicht mehr gehalten werden. Was das heißt, steht in diesem Beitrag.
Wann es etwas anderes ist
Wenn du zusätzlich Herzrasen hast, Panikgefühle, Schlafstörungen über Wochen, oder wenn du morgens kaum aufstehen kannst, dann geh zum Arzt.
Anhaltende innere Unruhe kann auch körperliche Ursachen haben, von der Schilddrüse bis zu anderen Dingen. Das gehört abgeklärt, bevor man psychologisch weiterdenkt.
Coaching ist keine Therapie und kein Ersatz für ärztliche Behandlung. Was ich hier beschreibe, sind Muster, wie ich sie in der Arbeit mit Menschen und an mir selbst sehe. Ich kann dir keine Heilung versprechen. Und keine Beziehung.

Der Autor
Fabian Schaub
Coach für kindheitliche Prägungsmuster und Gestaltcoach, Nürnberg. Über 500 bezahlte Einzelsitzungen in 18 Monaten, über 2.500 Stunden eigene Ausbildung, Ausbilder gemeinsam mit Daniel Doray. Länger Single als in Beziehung, heute verlobt. Die ganze Geschichte
Wenn du das Muster bei dir sehen willst.
Daniel und ich bauen gerade die Community Beziehungsdynamiken. Start ist im Oktober 2026, die Warteliste ist offen.
Die Community Beziehungsdynamiken startet im Oktober 2026, 149 Euro im Monat, monatlich kündbar. Wer auf der Warteliste steht, erfährt es als Erste oder Erster.
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