Fabian Schaub

Blog · Beziehung · 3 Min. Lesezeit

Einseitiger Kinderwunsch: Warum sich das nicht auf halbem Weg treffen lässt

Einer will ein Kind, der andere nicht. Es fühlt sich an wie eine Sachfrage ohne Kompromiss. Warum es keine ist und wo die Antwort tatsächlich liegt.

Von Fabian Schaub · 5. September 2026

Ihr seid euch bei vielem einig. Bei Geld, bei Urlaub, bei der Frage, wie ihr leben wollt.

Bei diesem einen Punkt nicht.

Einer von euch will ein Kind. Der andere nicht, oder noch nicht, oder weiß es nicht.

Und ihr habt beide gemerkt: Hier gibt es keine Mitte. Man kann kein halbes Kind bekommen. Bei allem anderen trifft man sich irgendwo, hier nicht.

Das macht dieses Thema so schwer. Und es ist der Grund, warum ihr wahrscheinlich schon aufgehört habt, richtig darüber zu reden.

Was meistens passiert

Erst redet ihr viel darüber. Dann immer weniger. Irgendwann gar nicht mehr.

Nicht, weil es geklärt wäre. Sondern weil jedes Gespräch an derselben Wand endet und ihr beide danach schlechter dran seid als vorher.

Einer wartet still. Der andere weiß, dass gewartet wird. Und zwischen euch liegt ein Thema, das niemand mehr anfasst.

Das ist der Punkt, an dem viele Paare jahrelang stehen bleiben.

Warum das keine Sachfrage ist

Es fühlt sich an wie eine Entscheidung. Ja oder nein, Kind oder kein Kind.

Wenn es das wäre, könnte man es ausdiskutieren. Argumente sammeln, abwägen, entscheiden.

Genau das funktioniert aber nicht, und das merkt ihr. Denn hinter dem Ja und dem Nein stehen selten Argumente. Dahinter stehen Erfahrungen.

Wer sagt, ich will keine Kinder, sagt manchmal in Wahrheit: Ich weiß nicht, ob ich das kann. Oder: In meiner Familie war ein Kind zu sein nichts Gutes. Oder: Ich habe als Kind gesehen, was Kinder aus einem Paar machen.

Wer sagt, ich will unbedingt ein Kind, meint manchmal auch etwas anderes. Manchmal geht es um Endlichkeit. Manchmal darum, etwas anders zu machen als die eigenen Eltern. Manchmal darum, endlich jemanden zu haben, der bleibt.

Das sind keine Vorwürfe. Das sind normale Sätze aus normalen Leben. Aber sie erklären, warum euer Gespräch nicht weiterkommt, solange ihr über Argumente redet.

Die zwei Fragen, die tatsächlich weiterführen

Wenn ihr das Thema anfassen wollt, funktioniert eine andere Richtung besser. Zwei Fragen, die jeder für sich beantwortet:

Wie hast du abgespeichert, wie in deiner Familie mit Kindern umgegangen wird?

Was hast du als Kind erlebt und beobachtet? War ein Kind zu sein leicht oder anstrengend? Wurde über euch Kinder mit Freude gesprochen oder mit Last?

Wie frei ist dein System überhaupt für neues Leben?

Ist Platz da? Oder ist da noch etwas Altes, das den Platz besetzt?

Diese Fragen klingen weich. Sie sind aber viel präziser als jede Pro-und-Contra-Liste. Denn sie kommen an die Stelle, an der die Antwort tatsächlich sitzt.

Was das mit eurem Streit zu tun hat

Wenn ihr euch über Kinder streitet, streitet ihr wahrscheinlich nicht nur über Kinder.

Bei den meisten Paaren steht dieses Thema stellvertretend für etwas anderes: Kann ich mich auf dich verlassen? Bleibst du? Bin ich dir wichtig genug?

Warum Paare fast nie über das streiten, worüber sie zu streiten glauben, steht in diesem Beitrag.

Und wenn bei euch beiden ein altes Thema mitläuft, das sich ausgerechnet an dieser Stelle trifft, dann ist das kein Zufall. Wie so etwas entsteht, steht in diesem Beitrag.

Was ich dir nicht sage

Ich sage dir nicht, ob ihr ein Kind bekommen solltet. Das kann niemand von außen, und wer es tut, nimmt sich zu viel heraus.

Ich sage dir auch nicht, dass sich das immer auflösen lässt. Manchmal stellt sich heraus, dass zwei Menschen an dieser Stelle wirklich nicht zusammenpassen. Das ist bitter und es kommt vor.

Was ich sagen kann: In den allermeisten Fällen wurde vorher nie über die eigentliche Ebene gesprochen. Es wurde nur verhandelt.

Wenn das bei euch gerade läuft

Dieses Thema gehört nicht auf eine Website und nicht in einen Gruppenraum. Dafür ist es zu nah dran.

Wenn das bei euch gerade das Thema ist, schreib mir. Dann schauen wir es uns zu zweit an, oder zu dritt.

Bei diesem Thema ist Daniel Doray fähiger als ich. Schreib mir trotzdem gern, dann stelle ich den Kontakt her.

Coaching ist keine Therapie und kein Ersatz für ärztliche Behandlung. Was ich hier beschreibe, sind Muster, wie ich sie in der Arbeit mit Menschen und an mir selbst sehe. Ich kann dir keine Heilung versprechen. Und keine Beziehung.

Fabian Schaub

Der Autor

Fabian Schaub

Coach für kindheitliche Prägungsmuster und Gestaltcoach, Nürnberg. Über 500 bezahlte Einzelsitzungen in 18 Monaten, über 2.500 Stunden eigene Ausbildung, Ausbilder gemeinsam mit Daniel Doray. Länger Single als in Beziehung, heute verlobt. Die ganze Geschichte

Wenn du das Muster bei dir sehen willst.

Daniel und ich bauen gerade die Community Beziehungsdynamiken. Start ist im Oktober 2026, die Warteliste ist offen.

Die Community Beziehungsdynamiken startet im Oktober 2026, 149 Euro im Monat, monatlich kündbar. Wer auf der Warteliste steht, erfährt es als Erste oder Erster.

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