Fabian Schaub

Blog · Trennung · 3 Min. Lesezeit

Ich komme nicht über sie hinweg

Es ist Monate her und du hängst immer noch fest. Warum die Dauer selten mit der Beziehung zu tun hat und was tatsächlich unabgeschlossen ist.

Von Fabian Schaub · 14. Mai 2026

Es ist Monate her. Manchmal Jahre.

Du weißt, dass es vorbei ist. Du weißt sogar, dass es Gründe gab. Und trotzdem taucht sie täglich in deinem Kopf auf.

Du hast alles gemacht, was man macht. Kontakt reduziert, Fotos weggeräumt, dich abgelenkt, dich in Arbeit gestürzt. Es hilft für ein paar Stunden.

Wenn du dich fragst, was mit dir nicht stimmt: Es stimmt etwas mit dir. Nur nicht das, was du denkst.

Warum die Dauer nichts über die Beziehung sagt

Der übliche Gedanke lautet: Es dauert so lange, weil es so besonders war.

Das ist selten der Grund. Manche Menschen kommen über eine achtjährige Ehe in einem halben Jahr hinweg und hängen bei einer viermonatigen Sache zwei Jahre fest.

Der Unterschied liegt nicht in der Beziehung. Er liegt darin, was durch die Trennung aufgemacht wurde.

Was da eigentlich noch offen ist

Bei den meisten sind es zwei Dinge, und beide haben mit der Person weniger zu tun, als es sich anfühlt.

Erstens: eine unbeantwortete Frage. Warum war ich nicht genug? Was hat der andere, was ich nicht habe? Warum hat sie es bei mir nicht versucht?

Diese Fragen fühlen sich an, als bräuchten sie eine Antwort von der anderen Person. Deshalb schreiben Menschen nachts Nachrichten, die sie morgens bereuen.

Nur ist die Frage älter. Sie hieß irgendwann schon einmal: Warum reicht das nicht, was ich bin?

Zweitens: eine alte Trennung. Die aktuelle Trennung ist manchmal nicht die, die weh tut. Sie hat nur eine alte aufgemacht, die nie zu Ende betrauert wurde.

Wer als Kind einen Elternteil verloren hat, durch Tod, Trennung oder Abwesenheit, dessen Verlustschmerz hat eine Vorgeschichte. Und die meldet sich, wenn wieder jemand geht.

Der Grund, warum Ablenkung nicht funktioniert

Ablenkung arbeitet gegen ein Gefühl. Und ein Gefühl, gegen das gearbeitet wird, geht nicht weg. Es wartet.

Deshalb kommt es genau dann, wenn du still wirst: abends, im Auto, sonntagnachmittags.

Der Weg ist umgekehrt. Nicht weg von dem Gefühl, sondern hinein. Trauer, die stattfinden darf, geht zu Ende. Trauer, die weggedrückt wird, bleibt.

Mehr dazu steht in diesem Beitrag.

Der unbequeme Verdacht

Es gibt noch eine Möglichkeit, und sie trifft mehr Menschen, als angenehm ist.

Manchmal hält man nicht an einem Menschen fest, sondern an einer Rolle.

Solange du leidest, ist die Geschichte nicht vorbei. Solange sie nicht vorbei ist, musst du nicht neu anfangen. Und Neuanfangen ist für viele die eigentliche Angst.

Ein Prüfsatz, der weh tut: Wenn sie morgen zurückkäme und alles wäre möglich, würdest du es wirklich wollen?

Bei erstaunlich vielen kommt an dieser Stelle ein Zögern. Und dieses Zögern ist die wichtigste Information des ganzen Themas.

Was tatsächlich hilft

Kontaktabbruch, wirklich. Kein Mitlesen, kein Schauen, wer was postet. Jedes Nachschauen setzt die Uhr zurück.

Die Trauer zulassen, aber nicht endlos. Nimm dir bewusst Zeit dafür, statt sie zu vermeiden. Und dann steh wieder auf. Beides gehört dazu.

Die alte Adresse suchen. Wenn du bei der Frage "Wann kenne ich dieses Gefühl zum ersten Mal?" auf etwas stößt, das älter ist als diese Beziehung, hast du den Ort gefunden, an dem gearbeitet werden muss.

Nicht sofort den Nächsten. Warum das den Schmerz nur verschiebt, steht in diesem Beitrag.

Wann es Zeit ist, Hilfe zu holen

Wenn du seit Monaten nicht schläfst, nicht arbeiten kannst, dich völlig zurückgezogen hast oder dunkle Gedanken hast, dann ist das keine normale Trauer mehr. Dann geh zu einer Ärztin oder Psychotherapeutin.

Wenn du in einer akuten Krise steckst: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.

Coaching ist keine Therapie und kein Ersatz für ärztliche Behandlung. Was ich hier beschreibe, sind Muster, wie ich sie in der Arbeit mit Menschen und an mir selbst sehe. Ich kann dir keine Heilung versprechen. Und keine Beziehung.

Fabian Schaub

Der Autor

Fabian Schaub

Coach für kindheitliche Prägungsmuster und Gestaltcoach, Nürnberg. Über 500 bezahlte Einzelsitzungen in 18 Monaten, über 2.500 Stunden eigene Ausbildung, Ausbilder gemeinsam mit Daniel Doray. Länger Single als in Beziehung, heute verlobt. Die ganze Geschichte

Wenn du das Muster bei dir sehen willst.

Daniel und ich bauen gerade die Community Beziehungsdynamiken. Start ist im Oktober 2026, die Warteliste ist offen.

Die Community Beziehungsdynamiken startet im Oktober 2026, 149 Euro im Monat, monatlich kündbar. Wer auf der Warteliste steht, erfährt es als Erste oder Erster.

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