Fabian Schaub

Blog · Beziehung · 3 Min. Lesezeit

Streit über Erziehung: Warum ihr euch da nicht einig werdet

Er lässt alles durchgehen, du setzt Grenzen. Warum Erziehungsstreit fast nie über Erziehung geht und wie ihr da rauskommt.

Von Fabian Schaub · 21. April 2026

Es geht um die Bildschirmzeit. Oder ums Aufessen. Oder darum, ob das Kind jetzt trotzdem noch ein Eis bekommt.

Und aus einer Kleinigkeit wird innerhalb von zwei Minuten ein Grundsatzstreit, in dem es plötzlich um viel mehr geht.

Danach steht der Satz im Raum: Du untergräbst mich vor den Kindern. Oder: Du bist viel zu streng.

Und ihr wisst beide, dass ihr das schon hundertmal hattet.

Warum Erziehungsdiskussionen so heftig werden

Weil es dabei nie nur um das Kind geht.

In der Frage, wie ein Kind behandelt werden soll, steckt für jeden von euch eine Erinnerung daran, wie er selbst behandelt wurde.

Wer als Kind sehr streng erzogen wurde, will das seinem Kind ersparen. Er lässt mehr durchgehen, oft mehr, als er selbst für richtig hält, weil jede Grenze in ihm ein altes Gefühl auslöst.

Wer als Kind zu wenig Halt hatte, will Struktur geben. Für ihn sind Regeln kein Zwang, sondern Sicherheit.

Beide handeln aus ihrer eigenen Geschichte. Und beide erleben das Verhalten des anderen als das, was ihnen selbst geschadet hat.

Deshalb ist der Streit so aufgeladen. Ihr verteidigt nicht eine Erziehungsmethode. Ihr verteidigt euer Kind vor dem, was euch selbst passiert ist.

Der Satz, der es meistens sichtbar macht

Stellt euch beide eine Frage, jeder für sich:

Wie war das bei dir, als du in dem Alter warst, in dem unser Kind jetzt ist?

Bei den meisten kommt sofort etwas. Und plötzlich ist klar, warum ausgerechnet diese Situation so eine Wucht hat.

Das ist kein Trick, um den Streit zu beenden. Es ist die eigentliche Information.

Warum die Sachdiskussion nicht weiterführt

Ihr könnt euch Bücher besorgen und Studien lesen. Ihr werdet zu jedem Thema beides finden.

Und selbst wenn ihr euch auf eine Regel einigt, hält sie nicht, sobald es emotional wird. Denn in dem Moment, in dem dein Kind schreit, entscheidet nicht die Vereinbarung. Es entscheidet das, was in dir angesprungen ist.

Das ist der Grund, warum vernünftige Erwachsene sich über eine Bildschirmzeit zerlegen können.

Was tatsächlich hilft

Erstens: Nicht vor dem Kind verhandeln. Nicht weil Kinder keine Meinungsverschiedenheiten aushalten, sondern weil sie sonst lernen, euch gegeneinander auszuspielen. Kurz zurückstellen, später klären.

Zweitens: Die eigene Geschichte auf den Tisch legen. Nicht als Rechtfertigung, sondern als Erklärung. Der Satz "Wenn ich das mache, fühle ich mich wie damals, als mein Vater..." verändert ein Gespräch komplett.

Drittens: Zwischen Regel und Reaktion unterscheiden. Über die Regel könnt ihr euch einigen. Über eure Reaktionen nicht, die gehören jedem selbst und sind seine Arbeit.

Viertens: Nicht alles einheitlich regeln wollen. Kinder kommen erstaunlich gut damit klar, dass Mama und Papa unterschiedlich sind. Was sie nicht aushalten, ist, wenn einer den anderen vor ihnen entwertet.

Der Punkt, an dem es wirklich um euch geht

Manchmal ist der Erziehungsstreit auch ein Stellvertreterkrieg.

Wenn zwischen euch als Paar etwas ungeklärt ist, sucht es sich einen Ort. Und die Kinder sind der Ort mit der höchsten Dringlichkeit, denn dort geht es angeblich immer sofort um etwas Wichtiges.

Wenn ihr merkt, dass eure Erziehungsstreits denselben Verlauf haben wie eure früheren Streits über ganz andere Dinge, dann ist das der Hinweis. Mehr dazu steht in diesem Beitrag.

Und was dein Kind tatsächlich mitbekommt, steht in diesem hier.

Coaching ist keine Therapie und kein Ersatz für ärztliche Behandlung. Was ich hier beschreibe, sind Muster, wie ich sie in der Arbeit mit Menschen und an mir selbst sehe. Ich kann dir keine Heilung versprechen. Und keine Beziehung.

Fabian Schaub

Der Autor

Fabian Schaub

Coach für kindheitliche Prägungsmuster und Gestaltcoach, Nürnberg. Über 500 bezahlte Einzelsitzungen in 18 Monaten, über 2.500 Stunden eigene Ausbildung, Ausbilder gemeinsam mit Daniel Doray. Länger Single als in Beziehung, heute verlobt. Die ganze Geschichte

Wenn du das Muster bei dir sehen willst.

Daniel und ich bauen gerade die Community Beziehungsdynamiken. Start ist im Oktober 2026, die Warteliste ist offen.

Die Community Beziehungsdynamiken startet im Oktober 2026, 149 Euro im Monat, monatlich kündbar. Wer auf der Warteliste steht, erfährt es als Erste oder Erster.

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