Fabian Schaub

Blog · Trennung · 3 Min. Lesezeit

Trennung mit Kindern: Was für sie wirklich zählt

Ihr trennt euch und habt Angst, den Kindern zu schaden. Warum nicht die Trennung entscheidend ist, sondern was danach zwischen euch passiert.

Von Fabian Schaub · 23. Mai 2026

Ihr wisst beide, dass es nicht mehr geht. Und ihr bleibt trotzdem, weil da diese eine Frage steht:

Was macht das mit den Kindern?

Diese Frage ist berechtigt. Sie wird nur meistens falsch gestellt.

Die Frage, die weiterführt

Nicht: Schadet eine Trennung meinem Kind?

Sondern: Was genau schadet ihm, und was nicht?

Die Forschung dazu ist ziemlich eindeutig, und sie sagt etwas anderes, als viele erwarten.

Nicht die Trennung an sich ist der entscheidende Faktor. Entscheidend ist der Konflikt zwischen den Eltern, davor und danach.

Kinder, deren Eltern sich getrennt haben und danach halbwegs sachlich miteinander umgehen konnten, kommen deutlich besser durch als Kinder, die in einem dauerhaft angespannten Zuhause aufwachsen, in dem niemand geht.

Das heißt nicht, dass eine Trennung leicht ist. Es heißt, dass Zusammenbleiben um jeden Preis keine sichere Wahl ist.

Was Kinder tatsächlich mitbekommen

Sehr viel mehr, als Eltern glauben.

Kinder hören nicht die Worte. Sie lesen die Stimmung. Ein Kind merkt in einer Sekunde, ob zwei Menschen gerade wirklich entspannt sind oder ob sie es vorspielen.

Deshalb funktioniert die Idee nicht, dass man den Konflikt vor den Kindern versteckt. Was versteckt wird, ist trotzdem im Raum. Es hat nur keinen Namen.

Und ein Kind, das eine Spannung spürt, die niemand erklärt, sucht die Erklärung bei sich. Das ist der Punkt, an dem tatsächlich Schaden entsteht.

Wenn ihr euch trennt: was zählt

Sie erfahren es von euch beiden, zusammen. Ein Satz, den ihr vorher abgesprochen habt. Ohne Schuld, ohne Details.

Sie erfahren, dass es nicht ihre Schuld ist. Und zwar mehrfach, nicht nur einmal. Kinder unter sieben beziehen fast alles auf sich, das ist normal in dieser Altersstufe.

Sie erfahren, was konkret passiert. Wo schlafe ich? Wann sehe ich Papa? Bleibt meine Schule? Sicherheit entsteht bei Kindern über Konkretes, nicht über Beteuerungen.

Sie werden nicht zu Verbündeten gemacht. Kein Ausfragen, keine Nachrichten über den anderen ausrichten, keine Bewertung des anderen Elternteils. Das ist der häufigste Fehler, und er passiert selten aus Bosheit, sondern aus Schmerz.

Warum ihr das nicht immer schafft

Weil ihr gerade selbst in der schwersten Phase eures Lebens steckt.

Das gehört ehrlich dazu. Es hilft nicht, sich vorzunehmen, immer sachlich zu bleiben, wenn man morgens weint und abends wütend ist.

Was hilft, ist ein Ort für den eigenen Schmerz, der nicht das Kind ist. Freunde, Therapie, Begleitung. Alles, nur nicht das Kind.

Ein Kind, das zum Zuhörer wird, übernimmt eine Rolle, die es nicht tragen kann. Und das ist eine Prägung, die weiterläuft. Mehr dazu steht in diesem Beitrag.

Der Punkt, der oft übersehen wird

Es gibt einen Zeitraum, der besonders zählt.

In den ersten sieben Lebensjahren lernt ein Kind, wie Beziehung funktioniert. Was es dort erlebt, wird sein Maßstab.

Deshalb entscheiden sich manche Paare bewusst dafür, als Eltern verlässlich zusammenzuarbeiten, bis die Kinder diese Phase hinter sich haben, auch wenn sie als Paar getrennt sind.

Das ist keine Regel und kein Rat für alle. Es ist eine Möglichkeit, die es gibt und die selten benannt wird: Ihr könnt als Paar aufhören und als Eltern verlässlich bleiben.

Und die ehrliche Warnung

Zusammenzubleiben und dabei zu erstarren ist keine gute Lösung für Kinder.

Ein Kind, das in einer Wohnung aufwächst, in der zwei Menschen nebeneinander funktionieren und sich nicht mehr berühren, lernt genau das über Beziehungen. Und es wird das später wiederholen, weil es nichts anderes gesehen hat.

Die Frage ist also nicht Trennung oder nicht. Die Frage ist, welches Modell von Beziehung dein Kind bei euch sieht.

Coaching ist keine Therapie und kein Ersatz für ärztliche Behandlung. Was ich hier beschreibe, sind Muster, wie ich sie in der Arbeit mit Menschen und an mir selbst sehe. Ich kann dir keine Heilung versprechen. Und keine Beziehung.

Fabian Schaub

Der Autor

Fabian Schaub

Coach für kindheitliche Prägungsmuster und Gestaltcoach, Nürnberg. Über 500 bezahlte Einzelsitzungen in 18 Monaten, über 2.500 Stunden eigene Ausbildung, Ausbilder gemeinsam mit Daniel Doray. Länger Single als in Beziehung, heute verlobt. Die ganze Geschichte

Wenn du das Muster bei dir sehen willst.

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