Fabian Schaub

Blog · Prägung · 3 Min. Lesezeit

Die Beziehung zu deiner Mutter anschauen, ohne ihr etwas vorzuwerfen

Du willst dein Mutterthema anschauen, ohne in Schuldzuweisungen zu landen. Warum es nicht um Vorwürfe geht und was der erste Schritt tatsächlich ist.

Von Fabian Schaub · 17. Juli 2026

Vielleicht hast du schon gemerkt, dass da etwas liegt. Vielleicht hat es jemand gesagt, und du hast erst abgewehrt.

Und dann kommt sofort der Widerstand: Meine Mutter hat getan, was sie konnte. Sie hatte es selbst nicht leicht. Ich will ihr nichts vorwerfen.

Der Widerstand ist berechtigt. Er ist nur an der falschen Stelle.

Denn es geht nicht um Vorwürfe. Es geht um etwas ganz anderes.

Warum Schuld nichts bringt

Fangen wir mit dem an, was nicht funktioniert.

Deiner Mutter die Schuld zu geben, verändert genau nichts. Es fühlt sich kurz erleichternd an und bindet dich danach fester an die Geschichte als vorher.

Denn solange die Ursache bei ihr liegt, liegt auch die Lösung bei ihr. Und dann wartest du auf etwas, das vielleicht nie kommt: eine Einsicht, eine Entschuldigung, ein Gespräch, in dem sie versteht.

Die meisten Menschen warten darauf jahrelang. Manche ein Leben lang.

Worum es stattdessen geht

In den ersten Lebensjahren hast du gelernt, wie Beziehung funktioniert. Nicht aus Erzählungen, sondern aus Erfahrung.

Ob jemand kommt, wenn du etwas brauchst. Ob genug da ist. Ob du anderer Meinung sein darfst. Ob du gesehen wirst, auch ohne zu leisten.

Was du damals gelernt hast, war für damals meistens richtig. Ein Kind, das gemerkt hat, dass es sich besser zurücknimmt, hatte einen Grund dafür.

Das Problem ist nicht, dass du es gelernt hast. Das Problem ist, dass es seitdem nie überprüft wurde.

Du triffst heute Entscheidungen nach einer Regel, die für ein Leben aufgestellt wurde, das du seit dreißig Jahren nicht mehr führst.

Genau darum geht es beim Anschauen. Nicht: Wer ist schuld? Sondern: Was habe ich gelernt, und stimmt das heute noch?

Warum das nicht über ein Gespräch mit ihr läuft

Viele denken, der Weg sei ein klärendes Gespräch.

Manchmal ist das schön. Meistens führt es nicht dahin, wo du hinwillst.

Deine Mutter kann dir nicht geben, was damals gefehlt hat. Nicht weil sie nicht wollte, sondern weil die Zeit vorbei ist. Ein Erwachsener kann nicht nachträglich das Kind sein, das jemand anders hätte halten sollen.

Und sie wird die Geschichte anders erinnern als du. Das ist normal. Es führt aber dazu, dass ihr über Fakten streitet, während es um dein Erleben geht.

Die Arbeit findet auf deiner Seite statt. Das klingt erst mal einsamer, als es ist. Es ist auch der einzige Ort, an dem du wirklich etwas bewegen kannst.

Wie der Einstieg aussieht

Drei Fragen. Nimm dir Zeit dafür, und schreib die Antworten auf, statt nur nachzudenken.

Was habe ich als Kind gebraucht und nicht bekommen?

Nicht anklagend, sondern beschreibend. Beispiele: gehalten werden ohne Anlass. Wütend sein dürfen. Gefragt werden, wie es mir geht.

Was habe ich stattdessen gemacht?

Hier kommt meistens die Überlebensstrategie. Ich war brav. Ich war lustig. Ich habe funktioniert. Ich habe mich gekümmert. Ich habe mich unsichtbar gemacht.

Wo mache ich das heute noch?

Das ist die entscheidende Frage. Denn die Strategie von damals läuft weiter, auch wenn die Situation längst eine andere ist.

Was dabei hochkommt

Ehrlich gesagt: oft Trauer.

Nicht Wut auf jemanden, sondern Trauer über etwas, das gefehlt hat. Und das ist ein guter Ort, auch wenn er sich nicht so anfühlt.

Bei mir hat es 22 Jahre gedauert, bis ich mit meiner Mutter zum ersten Mal über den Tod meines Vaters gesprochen habe. Ich war 35. Wir haben zusammen geweint. Das Thema war nie mein Vater. Das Thema war, dass ich gelernt hatte, nichts zu zeigen.

Danach hat sich in meinen Beziehungen etwas verändert, das vorher mit keiner Technik zu bewegen war.

Was das nicht ist

Es ist keine Therapie und ersetzt keine. Wenn bei dir schwere Dinge liegen, Gewalt, Vernachlässigung, Verlust, dann gehört das in professionelle Hände, und zwar in therapeutische.

Es ist auch kein Projekt, das man an einem Wochenende erledigt.

Es ist einfach der Ort, an dem die Antworten liegen. Warum das für die Partnerwahl so entscheidend ist, steht in diesem Beitrag. Und wie sich alte Geschichten immer wieder neu aufführen, steht in diesem hier.

Coaching ist keine Therapie und kein Ersatz für ärztliche Behandlung. Was ich hier beschreibe, sind Muster, wie ich sie in der Arbeit mit Menschen und an mir selbst sehe. Ich kann dir keine Heilung versprechen. Und keine Beziehung.

Fabian Schaub

Der Autor

Fabian Schaub

Coach für kindheitliche Prägungsmuster und Gestaltcoach, Nürnberg. Über 500 bezahlte Einzelsitzungen in 18 Monaten, über 2.500 Stunden eigene Ausbildung, Ausbilder gemeinsam mit Daniel Doray. Länger Single als in Beziehung, heute verlobt. Die ganze Geschichte

Wenn du das Muster bei dir sehen willst.

Daniel und ich bauen gerade die Community Beziehungsdynamiken. Start ist im Oktober 2026, die Warteliste ist offen.

Die Community Beziehungsdynamiken startet im Oktober 2026, 149 Euro im Monat, monatlich kündbar. Wer auf der Warteliste steht, erfährt es als Erste oder Erster.

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