Blog · Prägung · 3 Min. Lesezeit
Warum du dieselbe Geschichte immer wieder erlebst
Andere Menschen, gleicher Verlauf, gleiches Ende. Warum du eine alte Geschichte wieder und wieder aufführst und wie du aus der Wiederholung aussteigst.
Von Fabian Schaub · 11. Juli 2026
Andere Menschen. Anderer Ort, andere Zeit, andere Namen.
Und trotzdem: derselbe Verlauf, dasselbe Gefühl am Ende, derselbe Satz, den du dir danach sagst.
Wenn dir das aufgefallen ist, hast du etwas gesehen, was die meisten übersehen. Die Frage ist nur, was du daraus machst.
Der einfache Kern
Du erlebst den Schmerz von damals immer wieder.
Nicht, weil du masochistisch wärst. Sondern weil etwas in dir versucht, eine alte Geschichte zu Ende zu bringen, die nie zu Ende gebracht wurde.
Fachleute nennen das Reinszenierung. Du musst das Wort nicht kennen, es hilft dir nicht beim Verstehen. Was hilft, ist das Bild dahinter.
Stell dir vor, du hast als Kind ein Stück aufgeführt, das schlecht ausging. Es ging schlecht aus, weil du damals nichts ändern konntest. Ein Kind kann nicht gehen, nicht verhandeln, nicht kündigen. Es kann nur bleiben.
Und seitdem führst du dieses Stück immer wieder auf. Mit anderen Schauspielern. In der Hoffnung, dass es diesmal anders endet.
Warum du dabei ausgerechnet die auswählst, die es wiederholen
Hier wird es unbequem.
Damit die alte Geschichte noch einmal aufgeführt werden kann, brauchst du Mitspieler, die ihre Rolle können.
Wer als Kind erlebt hat, dass Zuwendung unzuverlässig ist, wählt jemanden, der unzuverlässig ist. Nicht bewusst. Aber genau bei dieser Person springt etwas an, das sich nach Liebe anfühlt.
Wer erlebt hat, dass er tragen muss, wählt jemanden, der getragen werden will.
Wer erlebt hat, dass er nur bei Leistung gesehen wird, wählt jemanden, dem nie genug ist.
Das ist keine Charakterschwäche. Das ist ein Erkennungssystem, das seit dreißig Jahren läuft und noch nie aktualisiert wurde.
Mehr dazu, warum sich das wie Anziehung anfühlt, steht in diesem Beitrag.
Der Denkfehler, der die Sache am Laufen hält
Fast alle ziehen dieselbe Schlussfolgerung: Ich muss besser auswählen.
Klingt vernünftig. Funktioniert nicht.
Denn du wählst nicht mit dem Kopf aus. Du wählst mit einem Gefühl, und dieses Gefühl entsteht in Sekundenbruchteilen, lange bevor du eine Liste abarbeitest.
Du kannst dir vornehmen, den nächsten anders auszusuchen. Du kannst sogar mit jemandem ausgehen, der eindeutig anders ist. Und dann sitzt du da und spürst nichts. Und gehst nach Hause und wartest wieder auf den Funken.
Der Funke ist aber genau das Problem. Er ist nicht die Nachricht, dass jemand passt. Er ist die Nachricht, dass jemand vertraut ist.
Wo die Wiederholung tatsächlich aufhört
An einer einzigen Stelle: wenn du sie siehst, während sie passiert.
Das klingt nach wenig. Es ist aber der ganze Unterschied.
Solange die Geschichte unbewusst abläuft, hast du keine Wahl. Du erlebst sie, du leidest, du erklärst sie dir hinterher. Und beim nächsten Mal wieder.
In dem Moment, in dem du mitten drin merkst: Das ist der Punkt, an dem es immer kippt, das kenne ich, verändert sich etwas. Nicht das Gefühl. Aber deine Stellung dazu.
Ab da bist du nicht mehr nur Schauspieler. Du bist auch Zuschauer.
Wie du anfängst
Nimm ein Blatt und schreib deine letzten drei Beziehungen oder Beinahe-Beziehungen auf. Zu jeder drei Angaben:
Wie lange hat es gehalten?
An welcher Stelle ist es gekippt?
Welches Gefühl blieb am Ende?
Wenn dort dreimal ungefähr dasselbe steht, hast du dein Stück gefunden.
Und dann kommt die Frage, die weiterführt: Wann kenne ich dieses Gefühl zum ersten Mal? Meistens ist die Antwort älter als jede Beziehung.
Warum dabei fast immer die Beziehung zur Mutter auftaucht, steht in diesem Beitrag.
Das ist keine Schuldzuweisung an irgendjemanden. Es ist die Adresse, an der das Stück geschrieben wurde. Und Stücke lassen sich umschreiben, wenn man weiß, wo sie liegen.
Coaching ist keine Therapie und kein Ersatz für ärztliche Behandlung. Was ich hier beschreibe, sind Muster, wie ich sie in der Arbeit mit Menschen und an mir selbst sehe. Ich kann dir keine Heilung versprechen. Und keine Beziehung.

Der Autor
Fabian Schaub
Coach für kindheitliche Prägungsmuster und Gestaltcoach, Nürnberg. Über 500 bezahlte Einzelsitzungen in 18 Monaten, über 2.500 Stunden eigene Ausbildung, Ausbilder gemeinsam mit Daniel Doray. Länger Single als in Beziehung, heute verlobt. Die ganze Geschichte
Wenn du das Muster bei dir sehen willst.
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