Blog · Prägung · 3 Min. Lesezeit
Mein Vater war nicht da: Was das mit dir gemacht hat
Abwesend, im Job, oder körperlich da und trotzdem weg. Warum ein fehlender Vater sich später bei Leistung, Geld und Anerkennung zeigt.
Von Fabian Schaub · 20. Juli 2026
Es gibt mehrere Arten, nicht da zu sein.
Manche Väter waren wirklich weg: getrennt, gegangen, gestorben. Andere waren jeden Abend zu Hause und trotzdem nicht anwesend. Wieder andere waren da, aber nur, wenn Leistung im Raum stand.
Für ein Kind läuft das auf etwas Ähnliches hinaus. Und es zeigt sich später an Stellen, die auf den ersten Blick nichts damit zu tun haben.
Was in dieser Phase eigentlich gelernt wird
In den ersten sieben Lebensjahren prägen beide Eltern, aber nicht gleichzeitig.
Die ersten vier Jahre ist meistens die Mutter die Hauptfigur. Dort geht es um Nähe, um Versorgung, um die Frage, ob genug da ist.
Zwischen vier und sieben kommt der Vater dazu. Dort geht es um etwas anderes: Werde ich gesehen für das, was ich tue?
Ein Kind malt, baut, zeigt, lernt etwas und will, dass jemand hinschaut. In dieser Erfahrung entsteht der Zusammenhang zwischen Tun und Anerkennung.
Wenn dort niemand hingeschaut hat, entsteht eine Lücke. Nicht in der Liebe, sondern in der Bestätigung.
Wie sich diese Lücke später zeigt
Selten als Trauer um den Vater. Meistens ganz anders.
Als Dauerleistung. Du hörst nicht auf. Ein Ziel erreicht, das nächste gesetzt. Und der Moment, in dem es reicht, kommt nie. Wie das entsteht, steht in diesem Beitrag.
Beim Geld. Es gibt zwei Geldthemen, und sie sind verschieden. Kommt das Geld nicht zu dir, ist es meistens ein Vaterthema. Bleibt es nicht bei dir, eher ein Mutterthema. Mehr dazu steht in diesem Beitrag.
Bei Autoritäten. Entweder du reibst dich an jedem Chef, oder du machst dich klein. Beides ist dieselbe alte Stelle.
In Beziehungen. Du gibst viel und wartest auf etwas, das durch Geben nicht kommt. Denn Leistung erzeugt Anerkennung, nicht Nähe.
Der Satz, den viele nie ausgesprochen haben
Es gibt einen Satz, der bei Männern besonders oft im Hintergrund läuft, und bei Frauen genauso, nur anders formuliert:
Ich wollte, dass er stolz auf mich ist.
Und wenn er nicht mehr lebt, wird daraus etwas, das nie geschlossen wird. Du lieferst weiter, für jemanden, der nicht mehr zuschauen kann.
Mein Vater ist gestorben, als ich dreizehn war. Ich habe danach 22 Jahre nicht über seinen Tod gesprochen. Was blieb, war die Frage, was Leistung eigentlich mit Anerkennung zu tun hat, wenn derjenige, für den du liefern wolltest, nicht mehr da ist.
Diese Frage hat mein Berufsleben bestimmt, lange bevor ich sie überhaupt formulieren konnte.
Warum Vorwürfe nicht weiterhelfen
Die meisten Väter dieser Generation haben getan, was sie für richtig hielten. Arbeiten, versorgen, funktionieren. Viele haben von ihren eigenen Vätern nichts anderes gesehen.
Das entschuldigt nichts und es geht auch nicht um Entschuldigung. Es geht darum, dass ein Vorwurf dich nirgendwohin bringt.
Was dich weiterbringt, ist die nüchterne Feststellung: Hier ist etwas nicht gelernt worden. Und Lernen lässt sich nachholen, auch später.
Der erste Schritt
Zwei Fragen, ehrlich beantwortet.
Wofür wollte ich gesehen werden, und wurde es nicht?
Wo versuche ich das heute noch zu erreichen, bei Menschen, die gar nicht gemeint sind?
Die zweite Frage ist die unangenehmere. Denn oft stellt sich heraus, dass ein Chef, ein Kunde oder ein Partner gerade eine Rolle spielt, für die er nie besetzt wurde.
Wenn du das siehst, verändert sich etwas. Nicht sofort. Aber du hörst auf, an der falschen Adresse zu klingeln.
Coaching ist keine Therapie und kein Ersatz für ärztliche Behandlung. Was ich hier beschreibe, sind Muster, wie ich sie in der Arbeit mit Menschen und an mir selbst sehe. Ich kann dir keine Heilung versprechen. Und keine Beziehung.

Der Autor
Fabian Schaub
Coach für kindheitliche Prägungsmuster und Gestaltcoach, Nürnberg. Über 500 bezahlte Einzelsitzungen in 18 Monaten, über 2.500 Stunden eigene Ausbildung, Ausbilder gemeinsam mit Daniel Doray. Länger Single als in Beziehung, heute verlobt. Die ganze Geschichte
Wenn du das Muster bei dir sehen willst.
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