Fabian Schaub

Blog · Prägung · 3 Min. Lesezeit

Nach acht Monaten war die Luft raus: Warum das kein Zufall ist

Es hält bei dir länger, aber nie über eine bestimmte Zeit hinaus. Woran es liegt, wenn Beziehungen an der Frage scheitern, ob genug für dich da ist.

Von Fabian Schaub · 1. Juli 2026

Bei dir hält es länger als ein paar Wochen. Ihr kommt an, ihr seid ein Paar, es gibt einen Alltag.

Und dann, irgendwann zwischen dem achten Monat und dem zweiten Jahr, schleicht sich etwas ein.

Es fühlt sich an wie: Ich bekomme nicht genug. Zu wenig Aufmerksamkeit, zu wenig Zeit, zu wenig von dem, was ich eigentlich brauche.

Oder von der anderen Seite: Ich kann geben, was ich will, es reicht nie.

Beides ist dieselbe Stelle. Nur von zwei Seiten aus gesehen.

Die zweite Frage

In den ersten sieben Lebensjahren beantwortet sich nacheinander eine Reihe von Fragen. Die erste ist, ob du dich fallen lassen kannst. Darum geht es in diesem Beitrag.

Die zweite läuft ungefähr vom achten Monat bis zum zweiten oder dritten Lebensjahr. Sie lautet:

Ist genug für mich da?

Das Kind kann jetzt mehr. Es krabbelt, es zeigt, es fordert. Und es macht eine Erfahrung, die es prägt: Wenn ich etwas brauche und es zeige, kommt dann etwas zurück? Und reicht es?

Wenn ja, entsteht ein Grundgefühl von Fülle. Nicht Reichtum, sondern die ruhige Annahme: Für mich ist gesorgt.

Wenn nein, entsteht etwas anderes. Zwei Varianten kommen dabei am häufigsten vor.

Die zwei Wege, die daraus entstehen

Der erste: Du hast gelernt, dass du dir nehmen musst, was du brauchst, weil sonst nichts kommt. In Beziehungen bist du dann der, der fordert. Der nachfragt. Der merkt, dass es nicht reicht, und es sagt.

Das ist anstrengend für beide. Und das Bittere daran: Auch wenn du bekommst, was du forderst, füllt es nicht. Denn der Mangel sitzt nicht im Heute.

Der zweite: Du hast gelernt, dass Nehmen die anderen leer macht. Vielleicht war jemand überfordert, vielleicht krank, vielleicht selbst bedürftig. Du hast früh verstanden: Ich darf nicht zu viel brauchen.

In Beziehungen bist du dann der, der wenig fordert. Der pflegeleicht ist. Und der nach acht Monaten still verhungert, ohne dass jemand merkt, dass etwas fehlt. Irgendwann ist die Luft raus, und keiner kann sagen, warum.

Warum ausgerechnet ihr zwei euch gefunden habt

Diese beiden Typen finden sich mit ziemlicher Sicherheit.

Wer fordert, braucht jemanden, der gibt. Wer gelernt hat, sich zurückzunehmen, findet jemanden, der viel braucht. Das passt zusammen wie zwei Teile.

Nur passt es an genau der Stelle zusammen, an der beide leer sind. Und darum geht dann der Streit. Nicht um den Abend, nicht um das Handy, nicht um die Aufmerksamkeit. Um die alte Frage, ob genug da ist.

Warum das kein Zufall ist, steht in diesem Beitrag.

Der Punkt, an dem es kippt

Auffällig oft ist es dieselbe Zeitspanne: acht Monate bis anderthalb Jahre.

Das ist der Moment, in dem die Verliebtheit nachlässt. Solange sie da ist, ist automatisch genug da. Alles ist neu, alles ist viel, niemand muss fordern.

Wenn das nachlässt, kommt der Alltag. Und im Alltag zeigt sich, was jeder gelernt hat.

Deshalb ist der Zeitpunkt kein Zufall. Er ist der Punkt, an dem die Frage nach dem Genug zum ersten Mal wirklich gestellt wird.

Was jetzt hilft

Der übliche Weg ist, über die Menge zu verhandeln. Mehr Zeit, mehr Aufmerksamkeit, feste Abende.

Das kann helfen und hält meistens ein paar Wochen. Denn eine alte Leere lässt sich nicht mit heutiger Menge füllen.

Was tatsächlich weiterführt, ist eine unbequemere Frage:

Wann kenne ich dieses Gefühl zum ersten Mal, dass nicht genug für mich da ist?

Wenn dir darauf etwas einfällt, das älter ist als deine letzte Beziehung, dann hast du die Stelle gefunden. Ab da wird es Arbeit, aber Arbeit, die sich lohnt. Denn wer aufhört, seinen alten Mangel in die Beziehung zu tragen, muss darüber auch nicht mehr streiten.

Coaching ist keine Therapie und kein Ersatz für ärztliche Behandlung. Was ich hier beschreibe, sind Muster, wie ich sie in der Arbeit mit Menschen und an mir selbst sehe. Ich kann dir keine Heilung versprechen. Und keine Beziehung.

Fabian Schaub

Der Autor

Fabian Schaub

Coach für kindheitliche Prägungsmuster und Gestaltcoach, Nürnberg. Über 500 bezahlte Einzelsitzungen in 18 Monaten, über 2.500 Stunden eigene Ausbildung, Ausbilder gemeinsam mit Daniel Doray. Länger Single als in Beziehung, heute verlobt. Die ganze Geschichte

Wenn du das Muster bei dir sehen willst.

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