Fabian Schaub

Blog · Trennung · 3 Min. Lesezeit

Warum sich jede Trennung gleich anfühlt

Andere Menschen, anderer Anlass, und trotzdem derselbe Schmerz an derselben Stelle. Was das über die eigentliche Wunde verrät.

Von Fabian Schaub · 28. Mai 2026

Es waren verschiedene Menschen. Verschiedene Beziehungen, verschieden lang, verschiedene Gründe.

Und der Schmerz danach war jedes Mal derselbe.

Nicht ähnlich. Derselbe. Dieselben Gedanken um drei Uhr nachts, dasselbe Gefühl in der Brust, derselbe Satz, den du dir über dich selbst sagst.

Wenn dir das aufgefallen ist, hast du eine wichtige Beobachtung gemacht.

Was daraus folgt

Wenn der Schmerz bei verschiedenen Menschen identisch ist, dann kommt er nicht von den Menschen.

Das klingt zuerst kalt, ist aber die entlastendste Erkenntnis in diesem Thema. Denn es heißt: Du reagierst nicht überzogen auf eine Person. Du reagierst auf etwas Älteres, das jedes Mal wieder angetippt wird.

Eine Trennung ist dann nicht die Wunde. Sie ist der Anlass, der die Wunde öffnet.

Der Satz, an dem du es festmachen kannst

Nach jeder Trennung sagen Menschen sich einen bestimmten Satz. Meistens denselben, über Jahre.

Häufige Varianten:

Ich bin nicht genug. Am Ende gehen alle. Ich bin zu viel. Ich bin nicht liebenswert, wenn jemand mich richtig kennt.

Wenn du deinen Satz findest, hast du die Wunde. Denn dieser Satz ist nicht das Ergebnis der letzten Beziehung. Er war vorher da, und die Trennung hat ihn nur bestätigt.

Woher der Satz kommt

Aus einer Zeit, in der du ihn nicht überprüfen konntest.

Ein Kind, das erlebt, dass Zuwendung an Bedingungen hängt, zieht daraus einen Schluss. Nicht: Meine Eltern haben gerade wenig Kapazität. Sondern: Ich bin nicht genug.

Kinder können nicht anders schließen. Sie beziehen alles auf sich, das ist eine normale Entwicklungsstufe.

Und dieser Schluss bleibt stehen. Er wird nie überprüft, weil er sich nicht wie eine Meinung anfühlt, sondern wie eine Tatsache.

Wenn dann später jemand geht, ist das keine neue Information. Es ist eine Bestätigung. Und deshalb tut es so weit über den Anlass hinaus weh.

Mehr dazu, wie sich alte Geschichten wiederholen, steht in diesem Beitrag.

Warum die Dauer nicht mit der Beziehung zu tun hat

Das erklärt auch etwas, das viele verwirrt.

Manchmal steckt jemand nach einer kurzen Sache monatelang fest und kommt über eine lange Beziehung erstaunlich schnell hinweg.

Der Unterschied liegt darin, wie stark die alte Stelle getroffen wurde. Eine kurze Beziehung, die genau an deiner wunden Stelle endet, tut mehr weh als eine lange, die friedlich ausläuft.

Was das praktisch heißt

Erstens: Hör auf, den Schmerz an der Beziehung zu messen. Die Frage "Warum trifft mich das so, es waren doch nur vier Monate" führt nirgendwohin. Sie erzeugt nur zusätzliche Scham.

Zweitens: Such den Satz. Schreib auf, was du dir nach jeder Trennung über dich selbst gesagt hast. Wenn dreimal dasselbe dasteht, hast du deine Adresse.

Drittens: Frag, wann du diesen Satz zum ersten Mal geglaubt hast. Meistens fällt Menschen dazu etwas ein, das lange vor der ersten Beziehung liegt.

Viertens: Die Arbeit ist dort, nicht bei der Ex-Person. Das ist die schlechte Nachricht, weil es unbequemer ist. Und die gute, weil es der einzige Ort ist, an dem du tatsächlich etwas verändern kannst.

Was sich dadurch ändert

Nicht, dass Trennungen nicht mehr weh tun. Das wäre gelogen und wäre auch nicht erstrebenswert.

Was sich ändert, ist die Größenordnung. Wenn eine Trennung nur noch der aktuelle Verlust ist und nicht zusätzlich der alte, ist sie traurig statt existenziell.

Und noch etwas ändert sich: Wenn der alte Satz nicht mehr ständig bestätigt werden muss, wählst du anders. Warum das zusammenhängt, steht in diesem Beitrag.

Coaching ist keine Therapie und kein Ersatz für ärztliche Behandlung. Was ich hier beschreibe, sind Muster, wie ich sie in der Arbeit mit Menschen und an mir selbst sehe. Ich kann dir keine Heilung versprechen. Und keine Beziehung.

Fabian Schaub

Der Autor

Fabian Schaub

Coach für kindheitliche Prägungsmuster und Gestaltcoach, Nürnberg. Über 500 bezahlte Einzelsitzungen in 18 Monaten, über 2.500 Stunden eigene Ausbildung, Ausbilder gemeinsam mit Daniel Doray. Länger Single als in Beziehung, heute verlobt. Die ganze Geschichte

Wenn du das Muster bei dir sehen willst.

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